„Ben und Teo. Zwei sind einer zu viel“ – Martin Baltscheit, Sandra Brandstätter

„Ben und Teo. Zwei sind einer zu viel“ – Martin Baltscheit, Sandra Brandstätter

April 16, 2020 2 Von Maike

Habt ihr im näheren Bekannten- oder Verwandtenkreis vielleicht Zwillinge? Oder habt ihr zufällig selbst Bruder oder Schwester, die ein paar Minuten vor oder nach euch geboren wurde? Man sagt ja immer, dass die Beziehungen zwischen Zwillingen eine ganz besondere ist. Da ist immer jemand, mit dem oder der man sich blind versteht, ein Gefährte für das Leben. Aber ist das wirklich so? Oder ist es auch manchmal einfach furchtbar anstrengend, fast immer alles teilen zu müssen, von Beginn an? „Ben und Teo“ im neuen Buch von Martin Baltscheit und Sandra Brandstätter sind sich eines bestimmten Tages auf jeden Fall sicher: es wäre auch mal sehr toll, ein Einzelkind zu sein. Und ehe sie sich versehen, geht dieser Wunsch für beide in Erfüllung. Und beide erzählen auch diese Geschichte, immer abwechselnd mal der eine, dann der andere.

Worum geht es?

Klavierkonzerte

Ben und Teo sind beide begnadete Klavierspieler und geben zusammen Konzerte, wie z.B. heute in ihrer Schule. Alle Zuschauer sind sehr begeistert und loben beide überschwänglich. Nur Ben ist nicht ganz zufrieden, denn er ist der Ansicht, dass er besser gespielt habe, nur keiner hat es bemerkt. Denn immer gibt es nur Ben und (!) Teo. Die anderen verstehen das Problem nicht und der Vater spricht nur von „Brudereinheit“ (S. 15). Es folgt ein heftiger Streit der beiden Brüder, aber auch wieder eine Versöhnung.

Der geheimnisvolle Spiegel

Vor einem Geschäft in ihrer Straße finden die beiden einen uralten Spiegel, der zu verschenken ist. Den wollen beide unbedingt mitnehmen! Zuhause spielen sie, dass der Spiegel magisch ist und stellen ihn verschiedene Fragen. Und völlig unerwartet erscheint auf die Frage nach der eigenen Zukunft ein Bild im Spiegel. Sie sahen die Wohnung ihrer Eltern, nur zig Jahre später. An den Wänden hängen Plakate vom berühmten Klavierduo Ben und Teo. Und sie sehen zwei alte Männer, die nebeneinander auf einer Parkbank sitzen und gegenseitig die Sätze beenden. Das ist ihre Zukunft, alles zusammen.

Beide sind aufgrund dieser Aussichten erstmal sprachlos, schlafen dann aber wie immer Hand in Hand ein. Nachts schleicht sich Ben nochmal zum Spiegel und fragt diesen, wie es ohne seinen Bruder wäre. Er sieht sich auf dessen Beerdigung und wird sehr traurig. Das ist er aber nur bis zum nächsten Morgen, wo beiden Brüder wieder einen heftigen Streit darüber haben, auf wessen Beerdigung wohl mehr Leute kommen würden.

Wie ist es so alleine?

Also gehen beide den Tag erst einmal getrennte Wege und trotzdem endet der Tag wieder in einem sehr heftigen Streit, bei dem beide sich mit zahlreichen Worten versichern, dass sie lieber Einzelkinder seien. Der Streit wird auch handfest, es wird gehauen und geschubst – bis Ben in den Spiegel fällt! Beide schauen sich durch den Spiegel an und stellen fest, man kann problemlos hindurchgehen und auch wieder zurückkommen – in eine Welt, in der es keinen Bruder gibt. Beide beschließen, dass sie das einmal ausprobieren wollen.

Ben schlich also durch die Wohnung und sah seine Eltern, sein Zimmer, alles war fast wie immer. Der einzige Unterschied war, dass es nur ein Kind in der Wohnung gab. Die Eltern waren wahnsinnig entspannt, kümmerten sich nur um ihn und lasen ihm jeden Wunsch von den Augen ab – ohne Konkurrenz zu seinem Bruder. Auch auf Teos Seite war es so. Beide sind schwer begeistert und beschließen, das Experiment noch einige Zeit laufezu lassen. Jeden Abend wollen sie sich dann vor den Spiegel berichten und einander vom Tag erzählen. Doch es ist nicht alles eitel Sonnenschein in der Einzelkinderwelt und als dann eines Tages auch noch der Spiegel weg ist und der Weg zurück verschlossen scheint, ist das Drama groß. Das kann nur mit Zwillingskraft gelöst werden.

So hat es uns gefallen

Bücher über Zwillinge sind nicht neu, aber trotzdem finde ich die Thematik sehr spannend, weil sie so viele Facetten bietet. Hier gefiel mir besonders gut, dass nicht alles immer alles eitel Sonnenschein ist, sondern Vor- und Nachteile dieses Geschwisterlebens zur Sprache kommen. Für Ben und Teo bietet sich die einmalige Möglichkeit das zu erleben, was sie sich immer wieder gewünscht haben. Einmal ohne den Bruder zu sein, alleine im Mittelpunkt zu stehen und nicht ständig verglichen zu werden.

Die Eltern der Einzelkinder Ben und Teo sind z.B. deutlich entspannter als die öfter genervten Zwillingseltern. Hier würden wahrscheinlich viele Einzelkindeltern wie auch Eltern mit mehreren Kindern nicht unbedingt zustimmen, kann doch sowohl das eine als auch das andere mal sehr anstrengend und auch mal entspannt sein.

Die Idee mit dem Spiegel hat mir sehr gut gefallen, denn es gibt wohl kaum etwas Spannenderes als verborgene Welten hinter Wunsch- und Zauberspiegeln. Dass die alten Zwillinge aus dem Geschäft von nebenan etwas damit zu tun haben, kann man sich relativ bald denken. Dass diese dann auch bei der Lösung des Problems helfen können, passt natürlich gut. Das Ende mit dem Treffen der vielen Zwillinge und dem besonderen Zwillingskonzert war für mich leider etwas „überzeichnet“ bzw. zu viel des Guten. Trotzdem hat das Buch mir und meinem Siebenjährigen sehr gefallen, sowohl was die ganze Idee der Geschichte angeht als auch die Art des Erzählens, dass sich die beiden Brüder immer dabei abwechseln. Die vielen farbigen Illustrationen können hierbei auch begeistern. Wir empfehlen das Buch für Kinder ab 6 Jahren zum Vorlesen und für etwas geübtere Leser natürlich auch zum Selberlesen.

Martin Baltscheit, Sandra Brandstätter, Ben und Teo. Zwei sind einer zu viel, Beltz & Gelberg Verlag 2020.