
„Kalle will nicht knuddeln“
Manchmal machen Kinder bei etwas mit, obwohl sie sich nicht wohl dabei fühlen. Die Umarmung der Tante, die man eigentlich gar nicht so gerne haben kann, oder das wilde Spiel mit Freunden, bei dem sich alle aus Spaß schubsen, das sich aber gar nicht gut anfühlt. Ein „Das möchte ich nicht.“ zu sagen, ist nicht immer leicht – das kennen Erwachsene auch. Zu diesem wichtigen Thema ist nun mit „Kalle will nicht knuddeln“ von Jule Wellerdiek ein wunderbar einfühlsames Bilderbuch erschienen, das für Kinder ab 3 Jahren passend ist.

Kalle betritt gerade den Park, als seine Hundefreunde ihn schon freudig begrüßen und auf ihn zulaufen. Bo und Maja finden den kleinen Hund einfach nur super kuschelig und lassen ihn kaum zu Wort kommen, weil sie ihn gleich abschlecken und um ihn herum springen. Er mag seine Freunde und die Treffen mit ihnen auch sehr, aber bei der stürmischen Begrüßung bekommt er immer ein seltsames Gefühl im Bauch. Am liebsten würde er davor weg laufen. Der Hund ist verwirrt von diesen zwiespältigen Gefühlen und denkt auf dem Nachhauseweg nochmal darüber nach. Weil er sich so unwohl fühlt, muss er etwas ändern, das ist klar. Er überlegt, was es ist, das ihm diese unschönen Gefühle bereitet. Bei einem Blick in den Spiegel fällt ihm sein kuschelig weiches Fell auf, das dazu führt, dass ihn immer alle anfassen möchten. Das mag er nicht. Der kleine Hund beschließt es seinem Kaktus auf der Fensterbank gleich zu tun und stachelig zu werden.

Mit einem neuen Aussehen und neuem Selbstvertrauen geht der Hund am nächsten Tag wieder in den Park. Alle wundern sich, was dieses Kostüm soll. Er war doch so schön kuschelig und sie hatten sich auf das Knuddeln gefreut! Da platzt alles lautstark aus dem Hund heraus und er macht klar, dass ihn niemand einfach kuscheln und anspringen soll, egal wie niedlich er ist. Die anderen Hunde bestärken ihn darin, dass er nichts machen muss, was er nicht möchte. Ihnen geht es bei einigen Sachen auch so und sie machen bis jetzt immer nur mit, um nicht außen vor zu stehen. Dieses Kaktusgefühl kennen alle! Sie überlegen, was sie spielen können, das für alle in Ordnung ist – und verbringen einen schönen Nachmittag. Kalle fühlt sich sehr erleichtert.

Mit einer sympathischen und einfühlsamen Hundegeschichte wird hier ein ernstes Thema näher in den Blick genommen. Kalles Konflikt ist für die lesenden Kinder gleich gut greifbar und man kann verstehen, was ihn an der ganzen Situation stört. Durch seine Entscheidung, aktiv selbst gegen das Problem anzugehen, bekommt der Hund neues Selbstbewusstsein und schafft es, den anderen davon zu berichten. Alle Sorgen waren unbegründet: die anderen verstehen ihn und kennen solche Situationen selbst auch von sich selbst. Sie finden eine gute Lösung, wie sie nun miteinander umgehen. Sehr schön für die pädagogische Arbeit und als Gesprächsanlass zuhause.
Jule Wellerdiek, Kalle will nicht knuddeln, Annette Betz Verlag 2025.
Das Buch wurde uns vom Verlag für eine Rezension zur Verfügung gestellt.