Märchen mit starken Frauen: „Fast vergessene Märchen“ – Isabel Otter, Ana Sender

Märchen mit starken Frauen: „Fast vergessene Märchen“ – Isabel Otter, Ana Sender

Dezember 1, 2019 0 Von Maike

Starke Mädchen brauchen keinen Retter

Zur Weihnachtszeit oder eigentlich auch überhaupt zur Winterzeit gehören Märchen einfach dazu. Auf die Couch oder ins Bett gekuschelt, können Märchen einfach am besten vorgelesen werden. Meistens sind es die Märchen der Gebrüder Grimm oder auch die von Hans Christian Andersen, die hier in den Kinderzimmern zu hören sind. In vielen dieser Märchen kommen die weiblichen Figuren nicht besonders gut dabei weg. Entweder sind sie böse, eifersüchtig und spinnen Intrigen oder sie sind hauptsächlich passiv und warten auf ihren Retter. In „Fast vergessene Märchen„* von Isabel Otter und Ana Sender findet man eine Sammlung von eher unbekannten Märchen aus aller Welt, in denen Frauen die Heldinnen sind, mutig, stark und vor allem selbstständig handelnd.

Was findet man in dem Buch?

In dieser Märchensammlung sind Geschichten aus 19 verschiedenen Ländern zu finden. Mexiko und Kanada sind ebenso vertreten wie Nigeria, Indien, Japan, Sibirien, Schottland oder Fidschi. Aus Schottland stammt die Geschichte von Jessie, die ihr Dorf verlässt, um in der Ferne nach Abenteuern zu suchen. Sie trifft einen schwarzen Bullen, der zu ihrem Begleiter wird und mit dessen Hilfe sie zu drei Zauberfrüchten kommt. Mit deren Hilfe kann sie Jahre später einen Ritter davor bewahren, eine Schwindlerin zu heiraten und nimmt ihn dann, nach reichlicher Überlegung, selbst zum Mann.

In „Die Geister der Toten“, einer Geschichte aus Nigeria, traut sich ein mutiges Mädchen, sich gegen eine angebliche Geisterarmee zu stellen und damit ihr Dorf zu retten. Die Frau eines Zaren wird in einem russischen Märchen zur Retterin ihres Mannes, der von einem grausamen König gefangen genommen wurde. Sie verkleidet sich als fahrender Musikant und kann seine Freilassung veranlassen. Und auch wenn der Zar sich zunächst undankbar benimmt, sieht er am Ende doch ein, dass er ohne seine Frau keine Chance gehabt hätte.

Im sibirsichen Märchen „Der Schlangenkönig“ traut ein Herrscher seiner einzigen Tochter nicht zu, das ganze Land nach deinem Tod zu regieren. Deswegen möchte er das Land in zwei Hälften teilen. Also verließ sie lieber das Land und zog aus, um selbst tätig zu werden. Sie ging in ein fremdes Land, um dort den fürchterlichen Schlangenkönig zu töten. Mit viel Mut schaffte sie es, befreite die Seelen vieler Menschen und Tiere und erarbeitete sich so den Respekt ihres Vaters, Sie durfte das Land des Vaters im Ganzen regieren.

So hat es uns gefallen

Das Buch ist eine außergewöhnliche Sammlung von Märchen, bei denen der Schwerpunkt darauf liegt, dass Frauen die entscheidenden Protagonisten sind. Manche Frauen bzw. Mädchen sind auf königlichem bzw. adligen Hause, andere sind ‚einfache‘ Bäuerinnen oder Dorfbewohnerinnen. Bei manchen dieser Frauen endet die Geschichte mit der glücklichen, selbstbestimmten Heirat, bei anderen in der Rettung ihrer Heimat. Manche kämpfen mit dem Schwert und Mut, andere mit viel Klugheit und Besonnenheit. Diese Frauen können auch heute noch als Vorbilder dienen und Mut machen, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und für die eigenen Ziele standhaft einzutreten. Wir empfehlen das Buch mit den ganz fantastischen Illustrationen für Kinder ab 6 Jahren, für Mädchen wie Jungs gleichermaßen.

Am Ende des Buches gibt es noch einige Hintergrundinformationen zu den einzelnen Märchen und auch noch einmal Hinweise darauf, inwiefern die einzelnen Frauen in den Geschichten ihre Stärke zeigen. Hier kann man auch noch einige Denkanstöße zur Rolle der Frauen und ihren Kämpfen in den Märchen lesen.

Isabel Otter, Ana Sender (Illustration), Beatrix Rohrbacher (Übersetzung), Fast vergessene Märchen, 360 Grad Verlag 2019.

Das Buch wurde uns dankenswerterweise vom Verlag für eine Rezension zur Verfügung gestellt.

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