Tierschutz für Kinder erklärt: „Tiere haben Rechte“ – Ola Woldanska-Plocinska

Tierschutz für Kinder erklärt: „Tiere haben Rechte“ – Ola Woldanska-Plocinska

Februar 22, 2020 0 Von Maike

Über Tierrechte kann man viel, lange und sehr kontrovers diskutieren. Warum darf das eine Tier mit auf der Couch sitzen und wird täglich liebevoll gefüttert, während das andere sein Leben auf engstem Raum ohne Tageslicht in einem kleinen Stall verbringt? Und warum tut es vielen Leid, wenn z.B. ein Kaninchen getötet wird, bei einer Spinne ist es aber egal? Ich sehe bei mir selbst, dass man Vieles nicht logisch erklären kann und das Ganze hochemotional behaftet ist.

Trotzdem – oder gerade deswegen – finde ich es wichtig, schon mit Kindern über das Thema zu sprechen. Oft kommen von den Kindern selbst schon viele Anmerkungen zu Problemen aus dem Bereich, die man als Erwachsene vielleicht einfach schon beiseite geschoben hat. In jedem Fall lohnt sich ein Blick in „Tiere haben Rechte“ von Ola Woldanska-Plocinska, das nicht nur toll illustriert ist, sondern mit einem besonderen Blick auf die Beziehung zwischen Mensch und Tier schaut.

Worum geht es?

Die Geschichte des Zusammenlebens

Die Autorin startet bei ihrem Blick auf das Zusammenleben auch am Anfang der Geschichte. Die Menschen waren nicht immer den Tieren an Einfluss überlegen. Dass Menschen Jagd auf Tiere machten, war schon immer der Fall. Sie wussten zu schätzen, was sie an den Tieren hatten, ohne diese wäre damals ein Überleben nicht möglich gewesen. Schon in der Antike stritten sich Philosophen darüber, ob man Tiere essen dürfe oder nicht. Und bei den Ägyptern galten einige Tiere als heilig, wie zum Beispiel die Katze. Niemand durfte einer Katze Leid zufügen, dafür konnte man sogar mit dem Tode bestraft werden.

Unser Umgang mit den Tieren

Mit der zunehmenden Industrialisierung zogen immer mehr Menschen in die Städte und hielten sich nicht mehr selbst Tiere im Garten, die sie zum essen schlachteten. Die Entwicklung nahm ihren Lauf, es gab immer weniger Bauern, die aber jeweils immer mehr Tiere hielten, um andere damit zu versorgen. Und vielfach kommt es dazu, dass diese dann sehr eng zusammen in einem kleinen Stall leben.

„Für die Stadtbewohner sind Hühner dagegen nur anonyme Päckchen mit Fleisch, die immer in den Kühlregalen des Supermarktes vorrätig sind.“

S.22

Manche Menschen erschießen Tiere, nicht um überleben zu können, sondern aus reinem Freizeitvergnügen. Andere Tiere leiden darunter, dass Kosmetika, die für Menschen gedacht sind, ihnen zu Testzwecken in die Augen und in das Fell gerieben werden. Und wieder andere müssen in engen Käfigen leben und für ein paar Stunden am Tag Menschen in bunten Kostümen in einem Zirkus belustigen.

Was kann man selbst machen?

Um Tierleid zu verringern, kann jeder einzelne eine ganze Menge tun. Man kann darauf achten, aus welcher Haltungsform die Eier kommen, die man konsumiert. Man muss genau überlegen, wenn man sich ein Haustier anschafft und sich bewusst sein, welche Verantwortung dies ist. Und man muss sich immer dessen bewusst sein, dass Tiere Gefühle haben und Schmerzen empfinden. Auf einer Doppelseite wird kurz erklärt, was Veganer und Vegetarier sind, auf einer anderen, auf einer anderen, was es mit bedrohten Tierarten auf sich hat. Und am Ende kann man einmal ganz genau durchlesen, was in der „Universellen Erklärung der Tierrechte“ steht. Leider ist dies nur ein Versuch, den Menschen zu zeigen, wie man mit Tieren zusammen leben sollte.

So hat es uns gefallen

Nach der Lektüre dieses Kindersachbuches gibt es mit Sicherheit eine Menge Gesprächsbedarf. Und wer dies nicht scheut, – und das tut hoffentlich niemand- gibt den Kindern eine Menge mit auf den Weg. Viele verschiedene Themen aus dem Bereich Tierschutz werden hier angesprochen: Tierversuche, Massentierhaltung, Haustiere, Tiere im Zirkus und auf dem Teller und vieles mehr. Gedankenanstöße lassen sich also einige hieraus ziehen, und genau dafür ist das Buch da. Zu den einzelnen Themenbereichen gibt es immer nur einige wenige Informationen, aber die ausführliche Darstellung aller Bereiche wäre auch sicherlich zu viel gewesen. Zum Nachdenken und Diskutieren reicht es allemal.

Mit Überschriften wie „Jagen ist kein Vergnügungssport“ oder „Tiere sind keine Dinge“ wird klar Stellung bezogen und dieses auch erklärt. Der historische Überblick zu Beginn des Buches hat mir auch gut gefallen, weil auch hier den Leser*innen wieder die Chance gegeben wird, neue Perspektiven einzunehmen. Wir empfehlen das Buch für Kinder ab 6 Jahren, bei Interesse an diesem Thema vielleicht auch schon eher.

Ola Woldanska-Plocinska, Tiere haben Rechte, Beltz & Gelberg Verlag 2020.