„Doggerland. Die versunkene Welt“ – Daniel Bleckmann

„Doggerland. Die versunkene Welt“ – Daniel Bleckmann

November 3, 2020 1 Von Maike

Bücher mit dem Thema Zeitreise faszinieren mich spätestens, seit ich vor zig Jahren (man wird alt…) die Outlander- Reihe regelrecht verschlungen habe. Zeitreise im Kinderbuch ist aber ebenso spannend und dann noch mit dem Setting Steinzeit – das musste ich lesen! Der Debütroman „Family Quest“ von Daniel Bleckmann konnte mich im Frühjahr schon so begeistern, also waren die Erwartungen an Doggerland entsprechend hoch. Dort reisen die zwölfjährigen Zwillinge Lex und Leyla aus Zufall 8000 Jahre in die Vergangenheit, in ein Land, das einst zwischen Großbritannien und Dänemark im Gebiet der heutigen Nordsee lag. Doch dann kam der Klimawandel und eine große Flutwelle…

Das geschieht in „Doggerland“

Die roten Steine im Meer

Lex und Leya sind Zwillinge, sich aber ansonsten – wie es so im normalen Leben von Jung- Teenagern ist, nicht immer ganz einig. Leya engagiert sich in ihrer Freizeit für den Umweltschutz und Lex hat eigentlich nur eines, das ihn interessiert – Zocken! Die Adoptiveltern sind Wissenschaftler, die das in der Nordsee versunkene Doggerland erforschen. Und genau da müssen sie nun dringend zu neuen Untersuchungen hin. Also kommen die Zwillinge in den Ferien mit den Eltern mit nach England in ein verschlafenes Dorf, wo noch nicht einmal das WLAN richtig läuft.

Um sich die Zeit zu vertreiben, hängen sie im dortigen Pub herum, wo die Wirtin ihnen etwas über eine alte Legende im Zusammenhang mit Doggerland berichtet. So sollen früher Sternenkinder vom Himmel gekommen sein und den Bewohnern Wissen geschenkt haben, bis eine große, vernichtende Flutwelle kam. Und sie berichtet von Überreste alter Bäume, die bei Niedrigwasser noch zu sehen sind. Da Leya und Lex eh nichts anders zu tun haben, beschließen sie, sich das mal anzusehen. Mitten im Watt ragen rote Steine heraus, unter denen die beiden Schutz suchen, als ein Gewitter kommt.

Als dann auch noch die Flut kommt, ein hellblaues Leuchten im Wasser sichtbar wird und die beiden ein summendes Geräusch aus den Steinen hören, wird es ganz unheimlich. Denn sie werden zu den Steinen hingezogen und finden sich kurz später im Matsch liegend wieder. Recht schnell wird ihnen klar, dass sich etwas komisch ist, denn die Umgebung sieht ganz anders aus. Sie sind nicht mehr zuhause.

Alif

Neben den Zwillingen hat der Roman noch eine weitere Hauptfigur: Alif. Der ist genauso alt, doch lebt ein komplett anderes Leben – 8000 Jahre vor den beiden. Zusammen mit seinem Bruder, dem beide Hände fehlen, lebt der Häuptlingssohn in einem steinzeitlichen Dorf in der Nähe des Meeres. Alif fühlt sich nun endlich bereit dafür, ein großer Jäger zu sein und zusammen mit den anderen Männern des Dorfes Maa- Mutts zu jagen. Seinen Vater konnte er überzeugen, dass er endlich mit den anderen auf die Jagd darf, nur die gruselige Schamanin des Dorfes, die ihm nicht wohlgesonnen erscheint, kann da noch seine Pläne durchkreuzen.

Als er zusammen mit seinem Bruder Shagga im wilden Land unterwegs ist, überrascht sie ein Gewitter. Sie kämpfen sich durch das steigende Wasser bei den roten Steinen, wo sie auf einmal ein seltsames Summen vernehmen. Und nicht nur das. In der Höhle, in der sie vor dem Unwetter Schutz suchen, tauchen auf einmal zwei Fremde auf, die er noch sie gesehen hat und die ganz seltsam gekleidet sind.

So hat uns das Buch gefallen

Die Geschichte wird aus den verschiedenen Perspektiven der drei Protagonisten erzählt, die sich immer wieder nach einigen Seiten miteinander abwechseln. Alle drei haben unterschiedliche Sprachstile und schauen auf die Ereignisse um sie herum mit ihrer ganz eigenen Sichtweise. Das bringt noch zusätzlich eine Menge Dynamik hinein und macht das Ganze noch interessanter.

Alif spricht, so wie man es sich bei Steinzeitmenschen vorstellen kann. Er verwendet zum Teil andere Begriffe für bestimmte Dinge (die am Ende sogar in einem Glossar erklärt werden) und ist auch in seinem Denken und seinen Überlegungen ganz von seiner Zeit geprägt. Lex ist ein nach außen sehr cooler, nach innen aber immer wieder etwas verunsicherter Junge, der sehr viel „Gamer- und Jugendsprache“ verwendet und die Geschehnisse öfter mal mit seinen Computerspielen vergleicht. Leya ist oft die aufmerksame Beobachterin, die aber ebenso wie ihr Bruder ein Kämpferherz hat und sich für ihr Umfeld genauso einsetzt wie für eine Rückkehr in die heutige Zeit. An Lex‘ Sprache musste ich mich ein wenig gewöhnen bzw. wären mir ein paar weniger Gamerbegriffe gerade in den ersten Kapitel ganz lieb gewesen. Aber ich bin ja auch altersmäßig weit über dem Zielpublikum. 😉

Die Geschichte rund um die drei (bzw. mit Shagga vier) Kinder ist unglaublich spannend erzählt und man fiebert schnell richtig mit. Das steinzeitliche Setting gefällt mir auch besonders gut und ist wirklich mal etwas anders. Man merkt die gute Recherchearbeit des Autoren vor allem dadurch, dass man gedanklich richtig tief in die Steinzeitwelt eintauchen kann. Aufgrund der vielen umfassenden Beschreibungen werden das Dorf, die Mammutjagd, die Gefahren durch wilde Tiere und fremde Stämme und auch die gewaltige Bedrohung durch die herannahende Welle im Kopf lebendig. Das Thema Freundschaft kommt auch nicht zu kurz. Besonders toll finde ich auch den Epilog, in dem wir eine Version von einer Welt sehen, in der mit mehr Verstand mit der Umwelt umgegangen wird. Eine klare Leseempfehlung von uns für Kinder ab 10 Jahren.

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Daniel Bleckmann, Doggerland. Die versunkene Welt, Ueberreuter Verlag 2020.

Das Buch wurde uns vom Verlag für eine Rezension zur Verfügung gestellt.