Eine drachenstarke Reihe: „Fionrirs Reise“ – Andreas Arnold

Eine drachenstarke Reihe: „Fionrirs Reise“ – Andreas Arnold

Mai 24, 2020 3 Von Maike

Schon seit ein paar Jahren sind Geschichten rund um Drachen wieder extrem beliebt, wenn man sich in der Buch- und Fernsehwelt so umschaut. Die jüngeren im Vor- und Grundschulalter lassen sich von den Drachenreitern der „Dragons“ schwer begeistern, die ganz Großen haben in den letzten Jahren voller Spannung mit der Mutter der Drachen in „Game of Thrones“ mitgefiebert. Diese mythologischen Wesen faszinieren die Menschen auch schon seit über 2000 Jahren und das zurecht. Vor drei Jahren ist mit „Fionrirs Reise“ von Andreas Arnold der ersten Band einer spannenden Buchreihe über einen Jungdrachen erschienen, der eher ungeplant und zusammen mit einer selbstbewussten Prinzessin einen abenteuerlichen Weg begeht. Und dabei möchte man die beiden gerne begleiten.

Darum geht es

Der Drachengeburtstag

Der kleine Drache Fionrir ist sehr aufgeregt, denn heute wird er 51 Jahre alt. Und ab dem Alter ist er ungefähr so entwickelt wie ein siebenjähriges Kind bei den Menschen und wird man in die Welt der Erwachsenen eingeführt – ist das nicht spannend? Seine Eltern haben einen wundervollen Tag für ihn geplant und auch seine älteren Geschwister, die nicht mehr in der Drachenwohnung wohnen, kommen zu Besuch. Die beiden Menschen, die bei ihnen wohnen und für sie arbeiten, haben ein wahres Festmahl für die Drachenfamilie vorbereitet.

Und dann kommt das Geschenk – und der kleine Fionrir ist mehr als entsetzt. Seine Familie schenkt ihm eine Menschenfrau, eine echte Prinzessin, die er zur Feier des Tages fressen soll. Ihm war nicht bewusst, dann man heutzutage noch Menschen isst und er hat sogar eine Stoffmenschen- Kuschelpuppe, so mag er die kleinen Wesen. Fressen kommt für ihn, zur großen Verwunderung seiner Familie, nicht infrage.

Flucht zu zweit

Das Mädchen stellt sich als Prinzessin Quirina vor und erweist sich vom ersten Augenblick an als sehr selbstbewusst und bereit, dem Drachen zu widersprechen und ihn zurecht zu weisen. Da Fressen oder lebendig Behalten keine Alternativen sind, beschließt er, sie zurück in ihre Heimat zu bringen. Sie verlassen also heimlich die Drachenhöhle und machen sich auf den Weg, über die benachbarten Dörfer hinweg bis hin in die Berge. Und hier wird den beiden erst ein Problem bewusst: auf dem Hinweg war Quirina in eine Kiste gesperrt und keiner der beiden kennt den Weg nachhause.

Sie machen bei kleineren Menschensiedlungen Halt und treffen zufällig auf einen fahrenden Händler, der anmerkt, dass er ihnen bei der Suche nach dem richtigen Weg behilflich sein kann. Also ziehen sie zu dritt weiter in Richtung Heimat der Prinzessin. Aber es bleibt spannend: der Händler ist doch anders, als er zunächst zu sein scheint und sie treffen auf Wölfe, die sich unerwartet als ganz freundlich heraus stellen. Und sie müssen den einen oder anderen Kampf bestehen, aber zum Glück halten Quirina und Fionrir zusammen. Wie die Reise der beiden weitergeht, auf welche Gefahren sie treffen und was sie dabei alles fürs Leben lernen, müsst ihr aber selbst lesen. 😉

So hat es uns gefallen

Schon nach den ersten Seiten ist man mitten im Setting der Drachenhöhle angekommen. Kindgerecht werden die wichtigsten Grundzüge des Drachenlebens von Fionrir und seiner Familie dargelegt und es wirkt, trotz für die Drachen arbeitender Menschen, alles ganz sympathisch. Bis das große Überraschungsgeschenk kommt und sich die Geschichte in eine andere Richtung wandelt. Es gilt, ein Unrecht wieder gut zu machen und eine junge Frau zu retten. Hierbei ist es aber ganz anders als in vielen Märchen, denn diese Frau ist zum Glück sehr selbstbewusst, nicht auf den Mund gefallen und möchte auf jeden Fall ihr Schicksal mitbestimmen. Gut so!

Die Reise der beiden, die so zufällig zueinander gefunden haben, erleben im folgenden Verlauf nicht nur viele spannende Begegnungen und auch Kämpfe, sondern sie überwinden auch – nach und nach – so einige Vorurteile. So können sie auch klar zum Vorbild werden, ohne aber dass die Geschichte irgendwie stark moralisierend wirkt. Der Erzählstil ist flüssig, an manchen Stellen wird etwas weit ausgeholt, das Buch lässt sich aber sehr gut für Kinder ab dem Grundschulalter vorlesen. Hier hätten wir uns vielleicht noch ein paar mehr Illustrationen gewünscht. Am Ende eines jeden Kapitels findet man jeweils eine schwarz- weiß Illustration im Fantasy- Stil. Zum Selbstlesen braucht es schon einiges an Leseerfahrung, da empfehlen wir es ab ca. 10 Jahren.

Wer von Fionrir und Quirina und ihrer spannenden Reise nicht genug bekommen kann: Ende 2018 ist mit „Fionrirs Reise geht weiter“ der zweite Teil der Drachensaga erschienen. Abgeschlossen wurde diese dann ein Jahr später mit dem finalen Band „Fionrirs Reise ins Tal der Drachen“. Da die Geschichten in sich abgeschlossen sind und die wichtigsten Aspekte jeweils noch kurz erklärt werden, lassen sich die Bücher sicherlich auch unabhängig voneinander lesen.

Andreas Arnold, Fionrirs Reise, Reinheim Verlag 2017.